möbel kultur: Herr
Furche, nachdem die M.O.W. in den Mai vorverlegt wurde,
haben sich auch die oberfränkischen
Polstermöbelhersteller entschieden, ihre Ausstellungen
in diesem Frühjahr zu öffnen. Welche Erwartungen haben
Sie?
Norbert Furche:
Wir haben uns neben
der üblichen Herbstmesse für einen zusätzlichen
Frühjahrstermin entschieden, um auch in einem
wirtschaftlich schwierigen Jahr noch größere Präsenz zu
zeigen. Der neue Mai-Termin soll dem Handel zusätzlichen
Schwung und weitere Impulse geben.Gleichzeitig möchten
wir uns damit auch dem nach vorn gelegten Termin für die
M.O.W. anpassen.
Die Ausstellungsflächen
sind bei den Herstellern vorhanden und können genutzt
werden.Der Herbsttermin für die Hausmessen Oberfranken
bleibt aber zusätzlich bestehen. Damit bieten wir dem
Handel die Möglichkeit, auch in der zweiten Jahreshälfte
Neues zu sehen und den Kunden ein überarbeitetes Angebot
zu präsentieren. Ob wir die beiden Termin allerdings
auch in den kommenden Jahren beibehalten, kann ich noch
nicht sagen. Das wird sich nach den Herbstmessen
entscheiden. Gemeinsam mit der Hausmesse Süd, die nun ja
ebenfalls zusätzliche Frühjahrs-Partnertage
veranstaltet, werden wir dann überlegen, wie wir uns in
Zukunft aufstellen.
möbel kultur: Was
bedeutet der zusätzliche Frühjahrs-Termin im Hinblick
auf die derzeitige Finanzkrise?
Norbert Furche:
Natürlich bedeutet
ein zweiter Termin auch zusätzliche Kosten. Diese nehmen
wir aber in Kauf, weil wir hoffen, unsere
Geschäftssituation auch in einem Krisenjahr stabil zu
halten. Die Hersteller aus Oberfranken sind in der Regel
gut finanziert, sehr kostenbewusst und dadurch in der
Lage, Problemsituationen zu meistern.
möbel kultur: Die
oberfränkische Polstermöbelindustrie hat sich im
Gegensatz zur gesamten deutschen Branche im vergangenen
Jahr äußerst positiv entwickelt. Worauf führen Sie das
gute Ergebnis zurück?
Norbert Furche:
Eine Stärke der
Oberfränkischen Polstermöbler liegt in Ihrer
Flexibilität. Die Ansprüche der Konsumenten im Hinblick
auf Individualität sind gestiegen. Sie möchten selbst
über Sitzhärte, Bezug, Höhe der Armlehne oder Form des
Fußes entscheiden. Die oberfränkischen Hersteller sind
darauf spezialisiert. Variabel gehen sie auf die
unterschiedlichsten Kundenwünsche ein. Im Gegensatz zu
den Importeuren verfügen sie zudem über eine schnelle
Lieferbereitschaft. Sie können die bestellten Produkte
problemlos innerhalb vorgegebener Zeiten bereitstellen.
Das ist ein Wettbewerbsvorteil für einheimische
Hersteller.
möbel kultur: Und wie
entwickelt sich die Situation für die oberfränkischen
Polstermöbelhersteller aktuell?
Norbert Furche:
Das vergangene Jahr
ist gut verlaufen. Wir konnten ein Plus von 5,2 Prozent
verzeichnen. Bei der Umsatzproduktivität verbesserten
sich die oberfränkischen Polstermöbelhersteller durch
stringentes Kostenmanagement um sechs Prozent. Die
Unternehmen sind gut aufgestellt und überwiegend auch
gut ausgelastet. Seit dem vergangenen Herbst bestätigt
sich bei uns wieder einmal die Erkenntnis, dass
schlechte Autojahre gute Möbeljahre sind.
möbel kultur: Wirkt
sich die gerade verlängerte Abwrackprämie für Autos
nicht negativ auf den Verkauf von Möbeln aus?
Norbert Furche:
Nein, die
Abwrackprämie tangiert uns bis jetzt nicht so sehr. Der
Grund dafür ist, dass sie nur von einem kleinen Kreis in
Anspruch genommen wird. Menschen, die alte Autos haben,
kaufen sich jetzt ein neues, weil sie sich vor der
Einführung des Zuschusses nicht unbedingt eines leisten
konnten. Außerdem bewegen sich die Kosten für ein Auto
in einem anderen Rahmen als die für Möbel. Sie sind
deutlich höher. Die Abwrackprämie hält den Einbruch für
die Automobilindustrie nur auf.
Ich denke, dass dieser
später umso deutlicher sein wird. Den oberfränkischen
Polstermöbelherstellern und auch dem Handel ging es bis
Ende März relativ gut. Jetzt lassen die Aufträge zwar
etwas nach, aber das liegt an der allgemeinen Situation.
möbel kultur: Dann
machen sich erste Eintrübungen also bereits bemerkbar.
Nach Ihrer Einschätzung wird dieses Jahr wirtschaftlich
recht schwierig. Wo liegen Ihrer Meinung nach 2009 die
größten Herausforderungen für die oberfränkische
Postermöbelindustrie?
Norbert Furche:
Unternehmen, die im
Export sehr stark sind, haben einige Schwierigkeiten.
Solange in Deutschland die Zahl der Arbeitslosen nicht
nennenswert steigt, glauben wir aber, dass die
Geschäftslage gehalten werden kann. Sollte die
Arbeitslosigkeit jedoch die Vier-Millionen-Marke
überschreiten, wird das schwieriger, denn dann wird auch
das Konsumverhalten merkbar nachlassen.
Nach unseren Umfragen
rechnen die meisten Hersteller im Laufe des Jahres mit
Eintrübungen. Die Beurteilung der Ertragssituation ist
für 2009 gedämpft. Hatten im vergangenen Jahr noch 46
Prozent der Befragten eine gute Entwicklung erwartet,
gehen jetzt nur noch 15 Prozent davon aus. 39 Prozent
erwarten, dass sich die Ertragslage verschlechtert, 46
Prozent, dass sie gleich bleibt. Krisenzeiten müssen
überstanden werden. Darin liegt die größte
Herausforderung. Um das zu meistern, ist es wichtig, die
Kostenlage stetig zu überprüfen. Derzeit sind die
Unternehmen bemüht, ihre Ausgaben zu verringern und die
Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Eine gute
Eigenkapitalausstattung ist in diesen Tagen Gold wert.
Schließlich ist man dann nicht auf die Finanzierung
durch die Banken angewiesen. Deshalb sind wir im Großen
und Ganzen davon überzeugt, dass wir dieses Jahr gut
überstehen und hoffen auf ein sich stabilisierendes
Folgejahr 2010.
möbel kultur:
Das Gespräch führte
Doris Schmidt